Bauchschmerzen

Ich habe Bauchschmerzen. Nicht nur wegen des immer gewaltbereiteren Abdriftens der Gesellschaft nach rechts-außen. Ich habe auch Bauchschmerzen mit der Antwort darauf.

Wer mich kennt oder zumindest länger gelesen hat (und allein, dass ich das Gefühl habe, ich müsste sowas vorweg stellen, zeigt mir, wie richtig diese Bauchschmerzen sind), der ahnt zumindest, dass mir, schon durch die Art meines Aufwachsens und späteren Lebenslaufs Herkunft, Hautfarbe und Religion ziemlich latte ist. Ich glaube leidenschaftlich an die Menschenrechte – und in diesem unseren Lande ist das Grundgesetz mir sehr wichtig. Da steht nämlich, zusammengenommen, alles drin, was für ein friedliches Zusammenleben nötig ist. Denke ich so.

Wir leben in einer Zeit der proklamierten Toleranz. Wir bemühen uns, für alles und jedes Verständnis zu finden. Auch für die abstrusesten Ängste. Von Spinnen bis zu Gummibärchen ist alles erlaubt.

Aber Menschen, die einer sehr menschlichen – und durch Jahrtausende – geprägten Angst unterliegen, der Angst vor Fremden, vor Überfremdung, vor Veränderung, denen batschen wir unterschiedslos den Stempel “Nazi” auf. Daher ist diese Angst, geschichtlich gesehen, ein sehr verständlicher Teil, auch geschichtlich gesehen mal ein sehr wertvoller Teil unseres Erbes. Wenn da auf einmal 4 rotblonde Kerle auftauchten in der Leybucht, dann könnten das ja auch Wikinger sein und ungemütlich werden. So etwas ist halt historisch verankert.

Lesetipp http://www.deutschlandfunk.de/aufklaerungsschrift-angst-vor-dem-fremden-und-die.1310.de.html?dram:article_id=328547

Und es ist ja auch nicht immer unproblematisch, das Zusammenwachsen. Ist es doch noch gar nicht so lange her, da wuchs “unser” eigenes Volk wieder zusammen. Wieviele Jahre dauerte das? Mit wievielen Problemen war es schon verbunden, ein kurzfristig anderen Entwicklungen und Ideologien ausgesetztes Volk wieder zu vereinen? Und es ist immer noch da. In unseren Köpfen. Das mit den Ossis. Und den Wessis. Obwohl gleiche Geschichte, Religion, Rasse, Hautfarbe…

Also ja. Jede Zuwanderung größerer Gruppen bringt Veränderung. Ob es nun die Chinesen, die Vietnamesen, die Türken, die Jugoslawen, die… waren, jede Gruppe bringt die eigenen Sitten und Gebräuche.

Das ist auf der einen Seite wunderschön und interessant, birgt aber auch Konfliktmaterial. Immer. Zumal in jeder Gruppe ja nicht nur die Blumenkinder kommen. Wie bei den Deutschen in Thailand, gelle?

Dazu kommt, dass ein großer Teil gerade etwas älterer Menschen bei uns ihre prägenden Jahre in einem sehr restriktiven System verbracht haben, ohne die Möglichkeit, schon früh andere Länder und Kulturen kennenzulernen.

Natürlich ist die Fremdenangst an sich heutzutage in unseren Breiten ein überflüssiges Relikt. Aber das ist die Angst vor Spinnen und Schlangen (und so gut wie jede andere Phobie) auch. Sie ist aber nun mal da.

Da nun unterschiedslos Nazi zu brüllen, diese Menschen als dumm zu titulieren, zu verachten, und sich dann für das zu feiern… Wie einfach macht man es sich da, bei einem so komplexen Thema?

Es braucht den Dialog, die Annäherung, das Zeigen, dass andere Kulturen ein Gewinn sind.

Und keine pauschale Verdrängung in die Schmuddelecke! Damit macht man nämlich nur das, was diese Menschen auch machen. Die pauschale Verdrängung und Verurteilung einer Menschengruppe.

Und das… geht immer in die Hose.

Bevor ich also selbstgerecht Onkel Hugo als Nazi beschimpfe und mir ob meiner korrekten Gesinnung und meiner ach so mutigen Verbalisierung einen Palmwedelwind um meinen Heiligenschein wedel, könnte ich doch auch versuchen, diese Angst zu verringern.

Das geht, wie bei Spinnen und Schlangen, aber halt nicht mit einer gut gebrüllten Parole. Und Favs gibt es da auch zu wenig für. Zu schade.

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Dann block ich mir ein Loch ins Bein und find es wunderbar!

Volles Verständnis, wenn man sich seine Sozialen Medien schick und gemütlich gestaltet. Viele Jahre hatte ich einen sehr großen Facebook-Account und war auf Foren als Sumo und Admin unterwegs, ich hab auch die Schnauze voll von Streß im Netz. Und von fruchtlosen Diskussionen, Gepöbel, gruseligen Ansichten…

Aber sich feiern lassen, weil man Andersdenkende einer bestimmten Richtung wegblockt – nein, dass kann ich dann wieder nicht verstehen. Blocke ich Andersdenkende weg, was habe ich damit erreicht? Außer, dass dieser User dann nicht mehr lesen kann, was – vielleicht (die Hoffnung stirbt zuletzt) – doch jemanden anregt, über eine andere Position zumindest nachzudenken. Und somit nicht nur selbst in seiner Filterblase zu verharren, sondern auch andere in ihre zu verdammen.

Ich blocke auf Twitter heutzutage eigentlich kaum noch was weg. Und ich folge durchaus einigen zurück, die man getrost als ziemlich rechts und ziemlich links und ziemlich Aluhut und was weiß ich einschätzen kann. Ich schätze es, dass diese meine RTs weiterhin lesen, auch wenn sie oft so gar nicht in ihr Weltbild passen. Da ist der Geist noch nicht völlig verschlossen, da besteht noch der Wille, sich nicht völlig in die eigene Ideologie zurückzuziehen.

Jeder macht sich seine Accounts, wie er sie möchte. Das ist auch gut so. Aber Hurra-Geschrei, weil ich mich nur von mir politisch Genehmen lesen lasse? Nicht von mir. Akzeptanz. Ja. Jeder, wie er meint. Feiern tue ich anderes. Und bei so einigen habe ich auch das Gefühl, dass die ständige Betonung, dass SIE ja bestimmten Abschaum (ob nun rechts, links, religiös oder was auch immer) wegblocken, eher ein weiterer Wunsch nach Lob und Anerkennung ist, die die sozialen Medien ja immer gern denen zukommen lassen, die die mode-de-jour vertreten.

Jeder wie er will. Ich auch. Man denkt sich halt nur so seinen Teil.

 

Das Ding mit dem Folgen – Twitter

Als ich auf Twitter neu anfing, hatte ich zunächst gar nicht vor, irgendjemandem zu folgen, geschweige denn, zu posten. Ich kam nur, weil eine Website Ihren Status hier postete, falls es Probleme gab. Dann folgte ich doch, wo ich dann schon mal da war, ein paar News-Accounts.

Und – ich weiß nicht mal mehr wieso – irgendwann folgte ich auch dem einen oder anderen “normalen” Account und fing selbst an zu posten. Und dann ging es mir, wie wohl den meisten hier: Twitter hatte mich.

Zunächst folgte ich, wie wohl auch die meisten von uns, einfach zurück, wenn mir jemand folgte, schlicht dankbar, dass man mich überhaupt wahrnahm. Einiges ging gar nicht, aber im Großen und Ganzen blieb ich den gefolgten Accounts treu, und ich fing an, mich auf Twitter recht wohl zu fühlen.

Irgendwann fing ich dann gewaltig an zu wachsen, was ich hauptsächlich meinem RT-Verhalten zuschreibe, denn – seien wir mal ehrlich – zu den ganz großartigen Postern gehöre ich eher weniger. Es wurde scheinbar interessanter, mir zu folgen, und am Anfang folgte ich auch noch viel zurück, aber irgendwann gefiel mir meine TL so nicht mehr. Viel wiederholte sich.

Und dann fing ich an, mir mein Twitter so zu machen, wie ich es wollte. Ich folgte zum Großteil ausschließlich Informationsaccounts unterschiedlicher Couleur, Nachrichten, einigen ausgesuchten RT-ern in verschiedenen Sprachen, und kaum noch “normalen Accounts”. Einfach, weil ich zu dieser Zeit meine “Knuddelsprotten” schon beisammen hatte. Accounts, die ich aus unterschiedlichen Gründen schon gefühlt ewig in der TL hatte. Man kennt sich, man kann sich einschätzen, das ist mein familiärer Teil Twitters.

Und dabei blieb es im Prinzip bis heute. Ab und an kommt mal jemand dazu, weil er mir schon ewig folgt und man ewig interagiert, aber meist kommt nur noch wer dazu, der ein anderes Gebiet abdeckt. Schlicht, weil ich meine TL schon jetzt nicht mehr lesen kann, unübersichtlicher muss sie wirklich nicht mehr werden.

Das heißt auch, dass ich vielen Menschen nicht mehr folgen kann, obwohl ich ihre Tweets großartig finde. Man kann nicht allen folgen und noch irgendetwas mitbekommen. Schon jetzt vernachlässige ich viele, die ich sehr schätze.

So wie mir wird es in vielen Dingen wohl den meisten gehen, die hier so rumgewachsen sind. Ja, die meisten machen schon viel früher “dicht” und folgen nur einer überschaubaren kleinen Menge. Da kann man dann drüber rumlästern, Tatsache ist, mehr bekommt man eh nicht mit. Es ist keine Arroganz, sondern einfach nur TL-Management.

Was ich damit sagen möchte, ist: Schauen Sie nicht bei den “zahlenmäßig Großen” nach Followern. Die haben ihren Kreis längst zusammen. Es sind die, die noch nicht so viele haben, die Sie noch wirklich lesen können. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn “zahlenmäßig Große” Sie kaum wahrnehmen. Es  hat oft schlicht etwas mit der Masse zu tun. Desto mehr Ihnen folgen, desto massiger werden auch die Interaktionen. Da geht so viel verloren und für vieles ist einfach auch nicht die Zeit da. Twitter soll ja Spaß machen und keine Pflichtveranstaltung werden. Auch dann nicht, wenn man ein paar Tausend Follower hat.

Ich folge nur noch selten Nicht-Info-Accounts. Ich rt-e lieber und überfalle Accounts, um meinen Followern möglichst viele zu zeigen. Und großartig daran ist, dass diese sich dann untereinander folgen. Und rt-en. Davon haben die einzelnen Accounts mehr, als wären sie einer der viel zu vielen, denen ich bereits folge.

Jetzt Hashtagabstimmung unter https://twitter.com/kulturbolschewi/status/826472869261615105 Regeln unter https://zeitrafferdingens.wordpress.com

https://zeitrafferdingens.wordpress.com/

Ok, da ich das im Moment privat angefangen habe, habe ich mir überlegt, dass ich das auch gern von anderen mal sehen möchte. Der gleiche, selbst ausgesuchte Platz, im Laufe des Jahres/der Jahre.

So ist meine Idee:

  • Jeder sucht sich einen Platz, den er fotografieren möchte, dabei ist es völlig egal, was das ist. Es muss nur immer der gleiche sein. Und möglichst aus der gleichen Perspektive, und möglichst draußen, wegen der Jahreszeiten
  • Dieser Platz wird regelmäßig fotografiert, möglichst jede Woche 1x, allerdings nicht öfter, seltener ist völlig ok.
  • das Foto wird auf Twitter gepostet, mit einem Hashtag, vielleicht auch einem in Deutsch und einen in Englisch, sowie einem Hashtag allein für den eigenen Platz, damit Interessierte auch einzelne Plätze verfolgen können
  • keine Filter, einfach roh

Ich denke, wir brauchen dazu keinen Bot, der alles rt-et, aber das kann man ja noch besprechen.

Und welchen Hashtag wir nehmen, auch noch.

Ok, wie sieht es aus? Einfach anfangen?

DM-ed mir die Vorschläge für den Hashtag, ich mach dann eine Umfrage und wir fangen einfach an, ohne großes Gedöns?

Liebe Grüße

Mim

Vom ständigen Drang, etwas Besonderes sein zu müssen

Klicks, Likes, Favs, Selfies, und der dauernde Kampf um Bestätigung.

Immer dieser Drang, herauszustechen aus der Masse, mit was auch immer.

Dieses ständige: Du bist toll, Du bist besonders, Du bist schön. Ob es Schuld daran ist?

Natürlich ist zunächst jeder einmal einzigartig. Und jeder auf seine Weise etwas Besonderes. Aber eben nur das. Einige Menschen sehen objektiv besser aus, versprühen mehr Charme, können besser erzählen, musizieren, zeichnen, singen, haben irgendeine herausragende Begabung. Und viele von uns eben nicht. Und trotzdem versuchen m.E. Menschen immer mehr, krampfhaft an Bestätigung zu kommen. Statt einfach mal nur sie selbst zu sein. Sich anzunehmen. Auch wenn man halt aus der Masse nicht so heraussticht.

Für mehr Mut zum Mittelmaß. Zu sagen: Hey, so bin ich, und das ist gut so. Für mehr Unabhängigkeit vom ständigen Bestätigungszwang. Vom Messen des eigenen Wertes an irgendeiner Pseudo-Bestätigung im Internet. Oder auch im realen Leben.

Sie sind ok so, Sie brauchen weder Ihr Selfie zu pimpen, tolle Dinge zu machen oder Follower zu sammeln. Den Druck wegnehmen, von anderen als toll angesehen werden zu müssen. Einfach mal ganz einfach man selbst sein. Das ist – in meinen Augen – viel toller als die ständige, verzweifelnd anmutende Jagd nach Aufmerksamkeit und Bestätigung.

Für mehr in sich selbst ruhen und weniger auf den Thron klettern. Auf dem Sofa ist es nämlich viel schöner.

 

 

 

 

Einstellungssache, 2016 war Scheiße oder einfach STFU

Twitter. Meistens ärgere ich mich kurz über gewisse Kommentare, aber dann ist es auch schon wieder gut. Über Kommentare zu einigen Tweets jedoch ärgere ich mich länger. Wel mir diese Tweets wichtig sind. Weil sie aus einer bestimmten Situation heraus entstanden sind, den langjährige Leser vielleicht erahnen können, Leute, die mich nie lesen, aber keinesfalls.

2016 war kein schönes Jahr für mich, auf so vielen Ebenen nicht. Der Tod meines Vaters leitete es ein, der Infarkt meiner Mutter beendete es. Dazwischen lagen viele Nackenschläge, die ich zum großen Teil nicht öffentlich mache. Ich setzt dann mein Pokerface auf und lächle mutig. Ich steh nämlich nicht so auf Mitleid, ich vergrab mich lieber irgendwo und werd allein damit fertig. Oder auch nicht. Aber das ist nun mal meine Sache.

Mit Nackenschlägen meine ich nun nicht, dass mein Auto verreckte, mein Handy kaputtging oder ich Beziehungstrouble hatte. Sondern gravierende Dinge, die nun mal so sind wie sie sind, aber gewiss nicht schön. Da ändert auch eine Einstellung nix dran. Und ändern kann man da auch nix dran. Sie müssen durchlebt und ertragen werden. Insofern habe ich versucht, mir 2016 trotz allem schön zu machen. Mein Garten musste dafür herhalten, und die Viecher. Die Hoffnung nicht verlieren, kämpfen, nicht aufgeben. Kurz jammern, aber dann – nun ja, nützscha nix. Weitermachen. Im viel begrenzteren Rahmen, aber ein bisschen was geht immer noch. Also, fast immer.

Wenn ich aber sage, dass 2016 für mich kein schönes Jahr war, dann ist das keine Einstellungssache. Natürlich kann ich mir sagen, dass es gut ist, dass der Vater so gestorben ist, wie er es letztendlich ist, aber das ändert nichts an der Trauer. Dass meine Mutter noch rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen ist, ändert nichts an meiner Angst. Und hey, ich lebe noch! Ist zwar auch schön, aber ehrlich gesagt, ich wär halt lieber wieder gesund und fit. Was nicht mehr passieren wird. Muss man auch erst mal verknusen. Muss man aber auch keinen mit belästigen. Ändert ja nix. Sucht man sich halt nen neuen, kleineren Rahmen.

Was mich dann aber wirklich nervt, ist: Das ist alles Einstellungssache. Du musst was ändern, sonst ändert sich nix. Und weitere schlaue Sprüche gleicher Sorte. Die Dinge kann man nicht ändern. Sie werden nicht gut. Auch von Einstellungssachen nicht. Nur erträglicher. Aber hey, drüberscrollen und gut, gell?

Sehen Sie, hier ist mein Knackpunkt: Wenn Sie NICHTS oder nur kleine Bruckstücke aus dem Leben eines anderen kennen: einfach mal die Fresse halten! Woher wollen Sie durch einen Tweet wissen, was er erlebt hat? Was er durchleidet? Was bringt Menschen dazu, sich anzumaßen zu sagen: Hey, das ist nur Deine Einstellung! Wenn Sie nichts über die Hintergründe kennen? Behalten Sie Ihre – in dieser Beziehung – belanglose Meinung doch einfach mal für sich.

Ich kämpfe auch 2017 weiter. Mache mir mein Leben schön. Hab ich Übung drin. Und auch 2017 werden Sie nur ein Bruchteil meines Lebens zu sehen bekommen. Manchmal werde ich aus Gründen nicht posten. Manchmal werde ich Sie zuspammen. Und ab und an poste ich auch mal was, was mir wirklich wichtig ist. So wie dies: Urteilen Sie nicht über andere, über dessen Leben, und schon gar nicht, wenn Sie dieses gar nicht kennen. Und einfach mal die gut gemeinten Ratschläge stecken lassen. Keine Diagnose durch die Hose. Wirklich.

 

Vielen Dank.

 

 

 

Arschäologie oder sowas

Wenn man eh schon nicht weiß, wie man alles auf die Reihe bekommt und die Kraft und Leistungsfähigkeit bös begrenzt ist, dann hält man natürlich Haus mit seinen Kräften. Und macht Sinnvolles, Wichtiges. Klar.

Oder man ist ich. Dann kommt einem plötzlich in den Sinn, dass die eigentlich als Hundebadewanne gedachte aber nicht angenommene Teichschale doch 10 Meter weiter links viel hübscher wäre. Wohlgemerkt, nachdem man sie endlich mit Teichgemüse und Fischgetier fertig hatte. Ist ja nur so eine kleine Pisspfütze! Dat geit ruck zuck.

Gefühlte 1222229 qm³ Wasser, Erde, Steine und sonstwas später… die olle Pisspfütze ist gar nicht so klein. Mir tut jeder Knochen weh. Plus ein paar Knochen, die ich nicht mal habe.

Wie das so ist bei Grabarbeiten in den Hinterhöfen alter Gehöfe, findet sich beim Versuch, auf dem seit Jahrhunderten als Abfallhaufen verwendeten Hofstück ein Loch zu buddeln, welches größer ist als ein Kinderschuh, einen Querschnitt durch 200 Jahre Küchenabfälle, kaputtes Besteck, zerschlagenes Porzellan, alte Gürtelschnallen, verrostete Harkenreste, Knöppe, Knochen (wir fragen nicht näher), und hey, mit ein bisschen Goodwill und Phantasie habe ich auch mehrere Pfeilspitzen, Faustkeile und den Pfeilspitzabschlagstein gefunden. Doch! Bestümmt!

Auf ca. 1m Tiefe stieß ich dann auf eine Lehmschicht, in der mindestens die Überreste eines Schiffes lagerten. Muss, bei der Menge Holz. Wenn ich es doch sage!

Und natürlich fand ich dann auch noch eine Tonschicht.Da war aber kein Schiff drin. Nur,  falls es mal kein Geschirr mehr gibt, ich bin versorgt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das olle Loch nun gebuddelt ist, ich nie wieder buddeln möchte, ich auch nie wieder buddeln können werde, und dass Arngrimm der Schweifäugige nicht, wie die Legende sagt, sein Weib Hildugund, die Grimmige, verlassen hat, um weiter im Norden mit der flinkfüßigen Rike und der zarten Mieke einen neuen Hausstand zu gründen, sondern dass, so wie die fachfräuischen Grabungen in einem Hinterhof in Ostfriesland beweisen, Hildugund die Grimmige alle 3 samt des Kahns in der Lehmschicht versenkt hat. Wäre auch das geklärt.

Wenn Sie jetzt denken, ich hätte einen an der Waffel, …

ja, warum meinen Sie habe ich sonst an einem entzückenden Pfingstmontag diese Kackmistdreckspfütze 10 Meter nach links versetzt?